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SEV im Clinch mit SBB Cargo

20. Mai 2025

Grundlegend neu ausrichten will die SBB ihren Güterverkehr. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV fordert unterdessen von SBB Cargo, auf einen angekündigten Personalabbau zu verzichten. Bis Ende Jahr sollen weitere 72 Stellen entfallen. Insgesamt soll bis 2030 von 2120 Stellen ein Fünftel der Belegschaft abgebaut werden.

SEV SBB Cargo Kahlschlag Cadenazzo 310

Die SBB selbst beschäftigt insgesamt 35 500 Mitarbeitende, nach Unternehmens-Angaben knapp 3000 mehr als in 2019. Die SBB kündigte gestern an, den Schienengüterverkehr grundlegend neu auszurichten und seine Kosten bis 2033 um 60 Mio. Franken pro Jahr senken zu wollen.

SBB Cargo Schweiz versorgt mit Einzelwagenladungsverkehr, Ganzzügen und dem kombinierten Verkehr (KV) die ganze Schweiz mit Gütern klimafreundlich auf der Schiene. Im KV werden Ladeeinheiten wie Container auf längeren Strecken per Bahn und auf kürzeren Strecken auf der Strasse transportiert. Hier baut die SBB per 2026 die erste Verbindung gemäss dem Konzept «Suisse Cargo Logistics» auf. Mit dem Shuttle auf der stark nachgefragten Nord-Süd-Achse werde diese Verbindung zwischen Dietikon (ZH) und Stabio (TI) quer durch die Alpen gestärkt und das neue Angebot getestet.

Streichkonzert bei den Terminals

Auf der Ost-West-Achse fehlen derzeit Express-Trassen für den Güterverkehr und eine passende Terminal-Infrastruktur für einen solchen Testbetrieb. Acht KV-Terminals der SBB, die nicht rentabel betrieben werden können, werden nicht mehr bedient: Oensingen, Basel, Gossau, Widnau, Renens, St. Triphon, Cadenazzo und Lugano. Der Güterumschlag von der Strasse auf die Schiene ist weiterhin an Terminals Dritter möglich. Damit stabilisiert die SBB den aufwändigen und gemäss den Vorgaben des Bundes profitabel zu betreibenden KV finanziell. Aktuell fährt sie hier, wie im defizitären Einzelwagenladungsverkehr, jährlich ein zweistelliges Millionendefizit ein.

Bewährt sich der Testbetrieb zwischen Dietikon (ZH) und Stabio (TI), soll das Angebot im KV langfristig gemäss dem 2022 vorgestellten Konzept «Suisse Cargo Logistics» auf der Ost-West-Achse ausgebaut und die erforderliche Infrastruktur, wie zum Beispiel das trimodale Terminal Gateway Basel Nord, vorangetrieben werden.

SEV SBB Cargo Kahlschlag2 310Fotos: SBB

Der Fokus im KV auf die Nord-Süd-Verbindung und die Einstellung der unrentablen Transitzüge, von DB Cargo (sog. Partnerzüge), haben Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Bis Ende 2025 baut SBB Cargo Schweiz nach einem bereits kommunizierten Abbau von Stellen in der Verwaltung schweizweit zusätzlich rund 65 Vollzeitstellen im operativen Bereich ab. Mehrheitlich vom Stellenabbau betroffen ist das Lokpersonal, Rangierpersonal und das technische Kontrollpersonal der Güterzüge.

Die Gewerkschaft SEV befürchtet, dass nach dem Abbau zahlreiche Fachleute mit wertvollem Know-how fehlen werden. Das führe dazu, dass bei SBB Cargo in Kürze die Produktion nicht mehr vernünftig funktionieren könne. Alternativen zum Abbau sind möglich: Personal mit zu wenig Einsatzmöglichkeiten könne beispielsweise vorübergehend an andere Unternehmen verliehen werden, vor allem innerhalb des SBB-Konzerns. Ansonsten drohte SBB Cargo langfristig ein Fachkräftemangel.
«Die geplante Reduktion und Vereinfachung des Angebots führt mittelfristig kaum zu wirtschaftlichem Erfolg. So kann die zwingend erforderliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene nie gelingen», warnt Philipp Hadorn, der für SBB Cargo verantwortliche Gewerkschaftssekretär beim SEV. 

Stärken statt Schwächen 

Im März habe das Parlament ein Gütertransportgesetz verabschiedet, das den Schienengüterverkehr langfristig stärken soll. Um die klimapolitischen Ziele der Schweiz zu erreichen, müsse es gelingen mehr Güter von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Der im Moment noch unrentable Einzelwagenladungsverkehr werde vom Bund weiterhin finanziell gefördert. Ebenfalls keinen Sinn mache es für den SEV, dass RALpin, bei der SBB Cargo beteiligt ist, kürzlich angekündigt hat die RoLa (Rollende Landstrasse) bereits auf Ende 2025 einzustellen. Der SEV befürchtet, dass ein Grossteil der jährlich bis zu 100'000 verladenen LKW die Schweiz künftig auf der Strasse durchqueren.

www.sev-online.ch

www.sbb.ch








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