Staplerhersteller Still bleibt weiterhin hart am Ball, wenn es um konkrete Anwendungen bei innerbetrieblichen Transporten geht. Bislang gab es vor allem noch einen «blinden Fleck» sagt Still-Verkaufs-Chef Florian Heydenreich: Bei der Automatisierung des Be- und Entlade-Vorgangs an der Rampe. Der wird jetzt mit dem neuen AXL 15 iGo behoben.

Im Vorfeld der LogiMAT in Stuttgart bietet ein Weingut bei Waiblingen gute Gelegenheit, den neuen AXL 15 iGo für den robotisierten Weg vom Lager bis in den Lkw vorzustellen. Er soll in der Lage sein, unter maximaler Ausnutzung des vorhandenen Laderaums innerhalb von 35 Minuten 35 Paletten in einen Trailer zu verladen. «Ein paar graue Haare hat es dabei durchaus gegeben», sagt Kion-Automatisierungs Experte Frank Heptner.
Blaupause bei Colruyt
Während inzwischen bereits zwanzig Fahrzeuge dieses Typs bei Unternehmen ihr «Proof of concept» abliefern, war es das belgische Unternehmen Colruyt (10,8 Mrd. Euro Umsatz, 30000 Mitarbeitende, 700 zu beliefernde Filialen), das als Anwender bei der Entwicklung eng mit Still kooperierte. «Wir konnten dort vor Ort alles jeweils ohne Zeitverlust ausprobieren», heisst es.

Das war auch wichtig, denn «der Markt verändert sich zurzeit sehr schnell», sagt Entwickler Johannes Hinckeldeyn. Zudem gilt es, verschärfte Sicherheitsmassnahmen zu beachten, wenn das Fahrzeug ohne zusätzliche, fest verbaute Sensortechnik an der Rampe, sondern lediglich in Zusammenarbeit mit dem Fleetmanager beim Andocken des Lkw die Paletten be- und entladen soll. Künstliche Intelligenz ist dabei behilflich. Was aber, wenn innerhalb der KI ein Fehler auftaucht, den sie nicht eigenständig beheben kann?
Eigene Sicherheitsarchitektur
«Die KI muss in eine eigene Sicherheitsarchitektur eingebettet werden», so Hinckeldeyn. Still und die Kion- Gruppe sind dabei im Vorteil. Denn Fehler werden gefährlich, wenn sie ihren Weg aus der Virtualität in die Wirklichkeit finden und dort auf die physische Realität stossen. «Wir haben den Vorteil, dass bei uns die Daten von Kunden aus aller Welt zusammenlaufen», so Hinckeldeyn. Der TÜV Rheinland steht Pate, um die Erfüllung der Sicherheits-Anforderungen zu zertifizieren.

Eine Demonstration mit zwei AXL15 iGo, die einen Trailer be- und entladen, verläuft im üblichen bedachtsamen Tempo (das später natürlich 24/7 verfügbar sein wird), und unter Einhaltung von Distanzen, wie sie dem herkömmlichen manuellen Betrieb entlehnt sind. Herausforderungen wie enge Platzverhältnisse und wechselnde Trailer-Geometrien müssen gemeistert werden.
Kombinierte Technologie
Für Anwendende besonders interessant: Der AXL 15 iGo benötigt kein zusätzliches Safety-at-the-Gate-Konzept mit stationären Installationen wie Scannern oder Reflektoren am Tor oder im Trailer. Für die präzise Navigation kombiniert der AXL 15 iGo ausserhalb des Trailers moderne 3D-Visual-SLAM-Technologie. Mit Hilfe von Sensoren erkennt er zuverlässig und frühzeitig, wenn sich ein Lkw während des Beladevorgangs unerwartet vom Dock entfernt und stoppt dann automatisch seine Fahrt – sowohl bei der Einfahrt in den Trailer als auch bei der Rückfahrt ins Lager.

Sobald der AXL 15 iGo im Trailer agiert, schaltet das System automatisch auf eine LiDAR-basierte Lokalisierung für zentimetergenaues Arbeiten. LiDAR-Sicherheitsscanner, Kamerasysteme sowie visuelle und akustische Warnsignale sorgen dafür, dass Personen und Hindernisse auch auf engstem Raum zuverlässig erkannt und geschützt werden. Die integrierte 3D-Palettenerkennung erlaubt zudem die sichere Handhabung auch leicht versetzter oder nicht ideal positionierter Paletten an fest definierten Orten.
Marktreife Lösung
Florian Heydenreich: «Der AXL 15 iGo ist keine Konzeptstudie, sondern eine marktreife Lösung für die autonome Be- und Entladung von Hard- und Softwall-Trailern mit klar definierten Rahmenbedingungen.» Auch auf der LogiMAT selbst war am Stand Gelegenheit, den AXL 15 iGo «live» in Aktion zu beobachten.
Klaus Koch

















