Gerade hat die Deutsche Bahn mit Stuttgart 21 und 30 neuen ICE-Zügen ihren festen Willen zum Ausbau der Schiene bekräftigt. Da wird ihr von Kritikern attestiert, dass sie mit ihren Investitionen bei 76 Euro pro Einwohner auf nur einem Fünftel des Schweizer Niveaus liege. Im Gegensatz etwa zu Luxemburg.

Nach Ansicht der deutschen Allianz pro Schiene und der auf Schienenverkehr und Logistik fokussierten Unternehmensberatung SCI falle der «grosse Kanton», was den Aufwand für die Bahn betrifft, in Europa «weiter zurück». Ganz vorn liege stattdessen das neu ins Ranking aufgenommene Luxemburg, das als traditionelles Autoland momentan die Verkehrswende vorantreibe. Demnach steckte Luxemburg 2019 pro Einwohner 448 Euro in die Schieneninfrastruktur. Auch bedeutende Volkswirtschaften wie Schweden (188 Euro), Grossbritannien (101 Euro) und Italien (93 Euro) schnitten gut ab. In Ländern wie Österreich flossen schon seit Jahren zwei Drittel der Investitionen in den Schienenausbau und nur ein Drittel in die Strasse - ähnliche Schwerpunkte wie in der Schweiz und Luxemburg. «Umso wichtiger ist, dass die Bundesregierung nun endlich umsteuert», betonte Flege. Im deutschen Bundeshaushalt 2020 steigen die Schieneninvestitionen nach Berechnungen der Allianz pro Schiene zwar um 40 Prozent. Für Jubel sei es aber noch zu früh. «Erst wenn der Ausbau der Schiene klar Priorität bekommt und der Bund seine Schieneninvestitionen dauerhaft und nachhaltig hochfährt», heisst es, «können sich die Menschen auf eine Verkehrswende mit einer Schieneninfrastruktur auf europäischem Spitzenniveau freuen.» Maria Leenen, Geschäftsführerin von SCI Verkehr: «Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass mit mehr Kapazitätsreserven im Netz die Leistungsfähigkeit der Eisenbahnbetriebs erhöht werden kann».

Klare Priorität räume seit mehreren Jahren die luxemburgische Regierung der Schiene ein. Sie verdoppelte die Investitionen in die Eisenbahn-Infrastruktur im Zeitraum 2013 bis 2016 und damit innerhalb weniger Jahre. Geplant sind weitere Mittelsteigerungen. «Die Schiene muss als Massentransportmittel eine zentrale Rolle in der zukünftigen Mobilitätsstrategie unserer Gesellschaft spielen», so Luxemburgs Verkehrsminister François Bausch auf einer Pressekonferenz in Berlin. «Die konstante Entwicklung der urbanen Lebensräume, aber auch die Klimaproblematik erfordern eine weitaus effizientere Organisation der Mobilität. Der schienengebundene Transport kann dazu einen erheblichen Beitrag leisten.» In einem offenen Brief an die EU-Kommission hat Bausch kürzlich zu «massiven Investitionen in den Ausbau des europäischen Schienennetzes» aufgerufen. In dem Schreiben heisst es: «Um den Zug zu einer echten Alternative zum Flugzeug und zum Auto zu machen, müssen massive Investitionen in die Schiene getätigt werden.»

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