Das Silicon Valley gilt als Symbol für technischen Fortschritt. In Sachen S-Bahnverkehr sind die Computer-Nerds ein wenig zurück. Bis die ersten Doppelstockzüge von Stadler regulär in der San Franzisco Bay Area verkehren, dürfte es aufgrund von Verzögerungen durch die Corona-Pandemie noch ein paar Monate länger dauern.

Das kalifornische Bahnunternehmen Caltrain hat 2016 bekanntlich 16 sechsteilige, elektrische Doppelstocktriebzüge des Typs Kiss bestellt. Das Vertragsvolumen mit einer Option für weitere 96 Wagen beläuft sich auf insgesamt 551 Millionen US-Dollar. Die Auslieferung des ersten Triebzugs, heisst es dieser Tage bei Caltrain, werde sich jedoch aller Voraussicht nach aufgrund der Covid-19-Pandemie um drei Monate bis Ende Juni 2021 verschieben. Die Fortschritte beim Testen des Trainset 1-Typs seien aufgrund der Reisebeschränkungen langsamer als gedacht vonstatten gegangen.

Fotos: Caltrain / Stadlerrail

Stadler hatte es trotzdem geschafft, einige Notfallvisa zu erhalten, um weiter voranzukommen. Die Lieferkette sei durch zwei Insolvenzen bei Lieferanten gestört worden. Die daraus resultierende Verzögerung werde derzeit geprüft.

Die Doppelstockzüge werden zwischen San Francisco und San Jose verkehren. Die elektrischen Hochleistungs-Doppelstocktriebzüge in Aluminium-Leichtbauweise lösen alte dieselbetriebene Stahlzüge japanischer Bauart ab.

Für die Entwicklung der Geschäfte in den Vereinigten Staaten ist Stadler US verantwortlich. Nach der Bestellung von Diesel-FLIRT-Zügen durch das texanische Bahnunternehmen TexRail im Jahr 2015, bei der Bundesgelder eingesetzt werden, kam für Stadler erstmals der «Buy America Act» zum Zug. Der schreibt eine hohe lokale Wertschöpfung in den USA vor. Stadler errichtete deshalb einen Montagestandort zur Abwicklung dieses Projektes in Salt Lake City, Utah.

Der Vertragsabschluss mit Caltrain markierte trotz aller Hindernisse bereits den siebten Verkaufserfolg von Stadler in den Vereinigten Staaten. Den ersten Auftrag erhielt Stadler 2002 über 20 Gelenktriebwagen (GTW) für die New Jersey Transit River Line. Danach folgte eine Bestellung von Capital Metropolitan Transportation Authority (CMTA) aus Austin, Texas, für sechs Diesel-Gelenktriebzüge zum Einsatz zwischen dem Zentrum von Austin und Leander. Die Flotte wurde im Frühjahr 2008 ausgeliefert und 2015 um einen Zusatzauftrag über vier weitere Fahrzeuge erweitert. Von der Denton County Transportation Authority (DCTA) erhielt Stadler den Auftrag zur Konstruktion und Fertigung von elf Diesel-Gelenktriebzügen. Die Niederflurzüge bedienen seit 2012 sechs Stationen in der Region von Denton County, Texas. Im April 2014 bestellte der San Francisco Bay Area Rapid Transit District (BART) bei Stadler acht Diesel-Gelenktriebzüge für die Verbindung zwischen der Endstation BART Pittsburgh/Bay Point und Antioch

Trasse bei San Mateo

Im Juni 2015 beauftragte die Fort Worth Transportation Authority («The T») Stadler mit der Konstruktion, dem Bau und der Lieferung von acht Dieseltriebzügen des Typs FLIRT für die neue Pendlerstrecke zwischen Fort Worth und der nördlichen Endstation am Dallas/Fort Worth International Airport.

Testfahrt bei San Mateo

www.calmod.org