Bei einem mit Millionen von Tonnen an Jahresleistung der bedeutendsten Salzproduzenten Europas mussten nach fast 40 Einsatzjahren in salzhaltiger Luft alle drei Regalbediengeräte (RBG) eines Hochregallagers ausgetauscht werden. Kardex bewährte sich als Projektpartner.

Die bis dato genutzten Geräte waren mechanisch verschlissen und Ersatzteile kaum noch zu beschaffen. Die Verfügbarkeit des in zwei Schichten betriebenen Salzlagers hätte bei längerem Warten in Frage gestanden. Der komplette Umbau inklusive moderner Steuerungstechnik und IT-Anbindung war dringend geraten.

Die ursprünglichen RBGs stammten zwar von einem Mitbewerber, aber Kardex Mlog hatte sich beim Bau eines weiteren Hochregallagers bereits als zuverlässiger Projektpartner bewährt. Für die rund vierwöchige Umbauphase wurden die auf Euro- und Kunststoff-Paletten gepackte Ware in einem externen Lager untergebracht.

Im ersten Schritt demontierte das Team von Kardex Mlog die vorhandenen Geräte und die Gassenausrüstung. Die alten RBGs wurden dabei mit Hilfe eines Krans über eine Dachluke ausgebracht. Denselben Weg in anderer Richtung nahmen anschliessend die drei neuen Geräte vom Typ MSingle A 1100, deren Korrosionsschutz deutlich über den üblichen Standard hinausgeht. So wurden im Rahmen der Produktion in Neuenstadt alle verzinkten Teile lackiert oder pulverbeschichtet. Die für die Einstellungen und Justierungen erforderlichen Schrauben bestehen aus rostfreiem V2A-Stahl. Alle anderen Schrauben wurden überlackiert. Auch die Fahrschiene wurde in Bereichen ausserhalb der Lauffläche lackiert.

Die wartungsfreundliche Technik des MSingle A ermöglicht eine preiswerte Automatisierungsvariante bei gleichzeitig hoher Umschlagsleistung und maximaler Raumausnutzung. Die für die SWS gelieferten Geräte sind 22,8 m hoch und bieten 1000 kg Traglast. Durch die kompakte Rohrmastkonstruktion und den Verzicht auf einen geschlossenen Fahrerstand punktet das MSingle A im Vergleich zu herkömmlichen RBGs mit geringerem Eigengewicht. Dadurch können kleinere Antriebe sowohl für das Fahrwerk, als auch das Hubwerk eingesetzt und Energie eingespart werden. Die schlanke Bauweise erlaubt zudem eine schmalere lichte Gassenweite und sehr geringe Anfahrmasse in den Fahrwerk- und Hubwerkrichtungen. Ein weiteres Konstruktionsmerkmal ist die Seilumlenkung am Säulenkopf: Diese erfolgt über zwei wälzgelagerte Kunststoffseilrollen, was eine längere Lebensdauer des Hubseils ermöglicht.

Fotos: Kardex Mlog / Log PR

Die Ein- und Auslagerungsaufträge werden via Lagerverwaltungsrechner (LVR) an die Maschinen übertragen. Die Hubwagen sind mit einer Teleskopgabel für einfachtiefe Lagerung mit zwei Zinken ausgestattet. Jedes RBG beschleunigt auf maximal 100 m/min für Fahr- und 60 m/min für Hubbewegungen und schafft damit rund 35 Doppelspiele pro Stunde. Das entspricht einer Leistung von über 100 Ein- und Auslagerungen im gesamten Lager. «Damit haben wir die Leistung des Lagers um rund 33 Prozent gesteigert», stellt Kardex-Projektleiter Sebastian Haist fest.

Das erste von drei MSingle A 1100 konnte schon nach kurzer Zeit in Betrieb genommen werden. Die anderen zwei RBGs folgten nur wenige Tage später, so dass die komplette Umbauphase inklusive Anschluss an die Lagerverwaltung auf nur knapp vier Wochen begrenzt werden konnte. «Mit dem Projektverlauf sind wir mehr als zufrieden», so der Projektleiter der Südwestdeutsche Salzwerke.

Jedes RGB verfügt über einen mitfahrenden Schaltschrank, der mit einem Touch Panel ausgerüstet ist. Damit kann das Regalbediengerät im Halbautomatik-, Hand- und Einrichtbetrieb bewegt werden. Für die Umsetzung der Fahr- und Hubbefehle sorgen moderne Steuerungen vom Typ Siemens S7-1500F und SEW Movi PLC. Etwaige Fehler oder Störungen im Betrieb können mit Hilfe der auf den RGBs installierten Kameras leicht und schnell lokalisiert werden. Zur besseren Bilddarstellung ist der Sichtbereich der Kameras beleuchtet.

In Verbindung mit dem Visualisierungssystem MVisu lassen sich etwaige Störungen ohne Gassenzutritt per Fernwartung beseitigen. MVisu ist ein Modul des Mlog Control Centers (MCC). Mit MVisu liessen sich darüber hinaus die gesamten automatischen Förderanlagen und Regalbediengeräte sowie deren Betriebszustände grafisch darstellen.

Nach der Modernisierung befindet sich das fast 40 Jahre alte Hochregallager technisch wieder auf dem neuesten Stand und ist für die nächsten 40 Jahre gerüstet.

Foto: SWS

Die Südwestdeutschen Salzwerke beschäftigen in Heilbronn, Berchtesgaden und Bad Reichenhall in den Geschäftsbereichen Salz, Entsorgung, Logistik und Tourismus insgesamt rund 1000 Mitarbeitende.

Das Unternehmen ist einer der bedeutendsten Salzproduzenten Europas. Das Salz wird in den Bergwerken Heilbronn und Berchtesgaden sowie aus dem im Bad Reichenhaller Becken liegenden Solevorkommen gewonnen. Allein die Förderkapazität der beiden Schächte des Heilbronner Steinsalzbergwerks liegt bei knapp fünf Millionen Jahrestonnen.

Mit Besucherbergwerken in Bad Friedrichshall und Berchtesgaden sowie dem Salzmuseum in der Alten Saline in Bad Reichenhall betreiben die Südwestdeutschen Salzwerke auch touristische Einrichtungen.

Marcus Walter

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