Beim Fusionsreaktor ITER überrascht dieser Tage, dass die Arbeiten im südfranzösischen Cadarache inzwischen so weit gediehen sind, dass mit einer Mobilkonfiguration 68t schwere Dachelemente in 104 m Höhe aufgesetzt werden konnten. Eine anspruchsvolle Herausforderung an die Hebetechnik.

Wieder mal ein anspruchsvolles Logistikprojekt im Dienste der Forschung: Die Rahmenbedingungen bei diesem Einsatz waren alles andere als einfach: Denn zum einen gelten auf der Baustelle des internationalen Kernforschungszentrums ITER in Cadarache in jeder Hinsicht strengste Bestimmungen und zum anderen musste Krandienstleister Vernazza Autogru ausserordentlich  sorgfältig planen, um den begrenzten Platz inmitten einer Armada von Turmdrehkranen nutzen zu können. Deshalb entschied man sich, bei den Hüben von Stahlbauteilen der Reaktorhalle für Gittermast-Raupenkrane CC 2800-1 und CC 3800-1 von Demag (Tadano Group).

Der International Thermonuclear Experimental Reactor, der von der EU gemeinsam mit der Schweiz, den USA, China, Südkorea, Japan, Russland und Indien vorangetrieben wird, ist seit 2007 beim südfranzösischen Kernforschungszentrum Cadarache im Bau. Um vor Ort eingesetzt werden zu können, mussten die XXL-Hebezeuge – wie so oft – ihrerseits erstmal ihren Weg nach St. Paul-lez-Durance finden: Zunächst per Schiff nach Fos-Sur-Mer, und dann per LKW auf öffentlichen Straßen weiter bis zur Baustelle. Dort wurden die beiden Krane mit Hilfe eines All-Terrain-AC 120 innerhalb von fünf Tagen inmitten des Baustellenbetriebs hubfertig aufgebaut. Für den Demag CC 2800-1 in der Superlift-Konfiguration mit 108 Meter langem Ausleger und maximalem Gegengewicht gewählt; für den CC 3800-1 in zwei Varianten für bis zu 35 t schwere Bauteile mit 60 m Haupt- plus 72 m Wippausleger; und für die Hübe der bis zu 68 t schweren größeren Bauelemente auf 79 m ebenfalls mit dem 60 m Hauptausleger sowie einer 60 m-Verlängerung.

Der CC 2800-1 nahm die Dachkonstruktionen auf, schwenkte sie dem CC 3800-1 zu, der sie übernahm und in die geforderte Endposition hob, wo die Teile von Monteuren auf Arbeitsbühnen verschraubt wurden. «Wir haben jeden Tag eines dieser Bauteile gehoben, sodass sich für unsere Krane und unser zehnköpfiges Team eine Verweildauer von insgesamt vier Monaten auf der Baustelle ergab», so Paolo Delfino, Geschäftsführer des ausführenden Spezialunternehmens. Dass Vernazza den strikten zeitlichen Rahmen des Projekts trotz der komplexen Baustellenbedingungen einhalten konnte, führt Delfino auch auf den Support des Kranherstellers zurück. Schließlich handele es sich um ein Prestige-Projekt von internationaler Bedeutung.

Der exakt dokumentierten Supply Chain kommt beim Bau des Fusionsreaktors höchste Bedeutung zu. «Man hat nun wirklich das Gefühl, es geht voran», so Hartmut Zohm vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching in einem Interview gegenüber dem Wissenschaftsmagazin SPEKTRUM. «Eine grosse Herausforderung bei ITER besteht darin, dass die notwendigen Bauteile alle von unterschiedlichen Partnern eingebracht werden, die aus verschiedenen Ländern kommen»

www.demagmobilecranes.com

23.7.2020