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«Kommt am Jahresende zum Winter-Blues der Lockdown-Blues?», fragt der Vorstands-Chef der deutschen Bundesvereinigung Logistik (BVL), Thomas Wimmer. Laut Logistik-Indikator des ifo-Instituts sind die Folgen des zweiten Lockdown noch nicht spürbar. Doch mancherorts sei Frustration erkennbar.

Auch jetzt noch schätzen Industrie und Handel die aktuelle Geschäftslage positiv ein. Sie liege im Teilindikator der Nachfrager nach logistischen Leistungen sogar oberhalb des Normalwerts – fast schon auf Vorkrisenniveau. Das sei immerhin beeindruckend.

Doch die Erholung des Geschäftsklimas der Logistikwirtschaft endete im vierten Quartal. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das ifo Institut im Auftrag der BVL durchführt. Der im dritten Quartal geäußerte Optimismus war im November nicht mehr zu vernehmen – per saldo blickten die Firmen mit leichtem Pessimismus auf die Entwicklungen in den kommenden sechs Monaten.

Auch wenn der E-Commerce-Anteil überproportional ansteige, werde der Verlust an Auftragsvolumen aus Industrie und Handel nicht kompensiert. Aufgrund der vielerorts ungünstigen Geschäftssituation bei den Logistikdienstleistern wurde der Personalbestand weiter reduziert. Auf einen starken Rückgang des Güterverkehrs in den Monaten März und April um etwa 15% folgte laut LKW-Maut-Fahrleistungsindex, der den Güterverkehr auf deutschen Straßen tagesaktuell misst, im Sommer eine erneute Zunahme, die sich bis Ende November fortsetzte. Damit wird jetzt wieder Schluss sein.

Wimmer gibt sich dennoch optimistisch. Die Zulassung von Impfstoffen und der Beginn der Impfungen seien absehbar, die Impfstofflogistik laufe schon jetzt auf Hochtouren. Das Wirtschaftsleben werde nicht so stark zum Erliegen kommen wie im März/April 2020. Das erste Halbjahr 2021 werde noch mit vielen Unsicherheiten behaftet sein, aber der Wachstumsmotor laufe schon wieder an – «wenn auch mit niedrigeren Drehzahlen als von uns allen gewünscht».

Wirtschaft und Gesellschaft seien in den zurückliegenden Monaten kräftig durchgeschüttelt worden. In Deutschland habe die Regierung die Schäden für Unternehmen und Arbeitnehmer finanziell abgefedert. Wimmer: «Die Wertschöpfungsketten haben sich weitgehend als robust erwiesen, die Anpassungsfähigkeit und -geschwindigkeit waren deutlich höher, als man dies vor der Krise erwartet hätte». Diese Hands-on-Mentalität zu erhalten, weiterhin agil zu bleiben und Change-Prozesse mit Kreativität und Systematik weiterzuverfolgen seien die positiven Konsequenzen aus der Krise.

 

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