Die Schlagzeilen spiegeln das Entsetzen in der Weltpresse wider: 2750 Tonnen Ammoniumnitrat sollen es gewesen sein, die bei einer Explosion in Beirut Zerstörungen anrichteten, als sei ein Nuklearanschlag vor sich gegangen: Vermutlich handelt es sich um mangelhafte Lagerhaltung einer 2013 beschlagnahmten Düngemittel-Fracht.

Die enorme Menge an riskantem Material soll von einem Frachter stammen, der wegen Nichteinhaltung behördlicher Bestimmungen vor Jahren konfisziert worden war. Die Ladung bestand aus nicht unüblichem Frachtgut, das Hauptbestandteil vieler Düngemittel ist: Ammoniumnitrat muss vielerorts nach Regeln des Sprengstoffgesetzes gelagert und gehandhabt werden. Geschieht dies nicht, besteht akute Explosionsgefahr. Ungeachtet dessen sind auf den Weltmeeren Frachtschiffe mit jeweils Tausenden von Tonnen unterwegs.

In vergangenen Jahrzehnten gab es verheerende Unglücksfälle mit dem kritischen Material, das auch als Bestandteil von Raketentreibstoff verwendet wird. 1921 detonierte bei der BASF in Ludwigshafen ein Silo mit 4500 Tonnen Düngemittel. 559 Menschen starben, die Explosion war noch im 3oo km entfernten München zu hören. Bei einer Explosion von gleich zwei Frachtschiffen im Hafen der US-Stadt Texas City gab es über 500 Tote, 8000 Verletzte und 65 Mio. US-Dollar Sachschaden. 2015 starben mehrere Hundert Menschen bei einer Explosion von mutmasslich 800 Tonnen Ammoniumnitrat im chinesischen Tianjin.

Die Detonation eines Lagers mit unspezifiziertem Ammoniumnitrat im französischen Toulouse im Jahre 2001 hatte verschiedene europäische Staaten wie auch die Schweiz veranlasst, die Störfallvorsorge bei der Lagerung ammoniumnitrathaltiger Dünger zu präzisieren. Eine Umfrage des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) bei den kantonalen Störfallfachstellen zeigte damals, dass es nicht ausreichte, in manchen Kantonen die Lagerung von 20, in anderen aber erst 200 Tonnen unter besonderen Auflagen zu regeln.

 

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